fbpx

Beziehungskrisen entstehen, dies kann durch viele verschiedene Ursachen bedingt sein. Ein Hauptgrund ist sicher jedoch mangelnder Respekt vor dem Partner – und dieser ist erfahrungsgemäß so häufig, wie es verschiedene Spielarten der Respektlosigkeit gibt.

Respektlosigkeit erkennen…

Aber woran erkennen Sie respektloses Verhalten, auch bei sich selbst und wie entkommen Sie als Paar diesem Teufelskreis fehlender Wertschätzung, der sicher Ihre Beziehung über kurz oder lang zerstört?

Gerade im Rahmen von Paarcoachings ist es immer wieder überraschend und bisweilen schockierend, wie wenig Respekt sich Partner einander zollen, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein, obwohl sie behaupten, dass sie sich lieben würden.

Respektvoller Umgang & Achtsamkeit – die Basis für echte Intimität

Respektvoller Umgang und Achtsamkeit mit den empfindlichen Seiten des Partners ist jedoch unstrittig die Basis für echte Intimität. Die offensichtlichste Respektlosigkeit besteht sicher darin, aktiv die Grenzen des Partners zu überschreiten. Passive Respektlosigkeit jedoch lässt die persönlichen Grenzen so verwaschen, dass sich der Partner auf der Suche nach Beziehung unaufhörlich verirrt.

Es liegt also auf der Hand: Mangelnder Respekt kann sich niemals gut auf eine partnerschaftliche Beziehung auswirken. Auch ist nicht zu bestreiten, dass die Beziehung zu dem Menschen, den man ja eigentlich liebt, immer weiter zerbricht, je länger die Respektlosigkeit im Miteinander andauert.

Besonders belastend wird es für die Partnerschaft, wenn der respektlose Umgang einseitig in einer Rollenteilung in einem aktiven und einen erleidenden Teil praktiziert wird.

Respekt ist zweifellos eine Frage der Aufmerksamkeit

Dazu gehört, dem Partner aktiv zuzuhören, ernste Begebenheiten auch aufzunehmen und natürlich zu einem intimen Austausch von Gedanken bereit zu sein. Sind diese Basics jedoch nicht erfüllt, entsteht Respektlosigkeit, egal ob dies bewusst geäußert wird oder unbewusst geschieht.

Eine geläufige Form der Respektlosigkeit zwischen Partnern zeigt sich dann, wenn einer oder beide Partner die Grenzen des gegenseitigen Anstandes überschreiten, die Rechte des anderen missachtet oder grundlose Geringschätzung ausübt. Diesem einem Extrem steht die passive Respektlosigkeit gegenüber, die sich häufig in mangelnder Achtsamkeit für die Gegenwart und Leistungen des anderen ausdrückt.

Ein deutliches Beispiel fehlenden Respekts ist es, wenn ein Partner den Anderen nicht zu Wort kommen lässt und wenn, dann nur wie beiläufig auf das Erzählte hört und darauf entsprechend (nicht) reagiert.

Der respektlose Partner gibt sich dem anderen das Gefühl von Unsichtbarkeit und Bedeutungslosigkeit. Hier liegt die Respektlosigkeit klar in fehlender oder ungewünschter Aufmerksamkeit und zeigt dem Partner, dass er keinen Wert als Kommunikationspartner besitzt.

Den anderen fortwährend mit mehr oder weniger unbegründeten Anschuldigungen zu überhäufen, ist eine weitere beliebte Form der Respektlosigkeit. Viele üben diese als strategisches Mittel der Selbstbehauptung oder aber zu „Erziehungszwecken“ dem Partner gegenüber aus. Dies basiert häufig aus der irrigen Ansicht, über Anklagen den Partner in einem Zustand der Schuldhaftigkeit zu halten, umso leichter Macht ausüben zu können und so die Beziehung kontrollieren zu können.

Weitere Formen der Respektlosigkeit in der Beziehung:

Den Partner nicht ausreden lassen Wer dem Partner stets ins Wort fällt oder die Kommunikation unterbindet, nicht ausreden lässt, gibt logischerweise seinem Gegenüber zu wenig Raum. Aber gelebte Liebe braucht Raum. Fühlt sich der Partner häufig nicht an- und wahrgenommen, mit dem was ihm auf der Seele liegt, so entsteht immer häufiger das Gefühl nicht geliebt zu werden und nichts wert zu sein.

Andererseits wird der Mensch, den man liebt und mit dem man ja sein Leben teilt, immer mehr zu einer Art „Black Box“, er verstummt, wenn ihm nicht wirklich zugehört wird. Folglich muss sich das Gegenüber im Lauf der Zeit immer mehr Interpretation zurechtlegen, deren Wahrheitsgehalt logischerweise dürftig ist, um den Partner zu verstehen….

Einfacher wäre dann sicher doch das aktive Zuhören und auch ausreden lassen.

Nicht verzeihen können und nachtragend sein…

Wenn einer der beiden Partner beharrlich nachtragend ist, zieht er einen Gewinn daraus – nämlich den Anderen, zumindest vorbewusst, dauerhaft bestrafen zu können und den Partner in der Opferrolle zu sehen. Dies könnte für den einen oder anderen durchaus eine vermeintliche Sicherheit schaffen. Denn wenn mein Partner das Opfer ist, stehe ich über ihm.

Allerdings ist die Grundvoraussetzung für ein respektvolles Miteinander der Umgang auf Augenhöhe und verträgt sich nicht mit einer Oben-und-Unten- Hierarchie.

Respektlosigkeit äußert sich auch darin, dem anderen keine Fehler oder keine Schwächen zu verzeihen, selbst wenn er ausdrücklich darum bittet. Wer sich auf diese Weise respektlos verhält, fixiert den Partner in einer Rolle, die dieser ausdrücklich verlassen möchte, da er seinen Fehler ja eingesteht. Und wer einen Fehler eingesteht und Lehren daraus zieht, verdient in jedem Fall die gebührende Achtung.

Alte Verletzungen mit professioneller Unterstützung klären

Sinnvoll wäre es hier, alte Verletzungen, die die Partnerschaft sicher belasten, miteinander zu klären. Ist das zu zweit allein nicht möglich dann mit professioneller Unterstützung. Denn sowohl nicht verarbeitete Verletzungen wie auch stetes Vorhalten dieser Belastungen beeinträchtigt jeden der Partner und zerstören über kurz oder lang die Liebe zueinander.

Wenn Vorwürfe über Hand nehmen…

Es liegt auf der Hand, dass stetes Anklagen und destruktive Kritik das liebevolle Miteinander unter Partnern zerstört.

Denn Vorwürfe sind eine weitere Form der Abgrenzung und Abwertung. Anklagen und destruktive Kritik haben absolut nichts mit faktischen Diskussionen zu tun. Sie dienen primär dazu, den Anderen klein und „schuldig „zu machen.

Wenn einer oder beide Partner mehrfach, zumeist nicht vorsätzlich, sondern aufgrund eines inneren Antriebes, dem anderen mit Vorwürfen begegnen, kann es sein, dass die Vorwürfe eine bestimmte Funktion in der Partnerschaft übernehmen. Es ist durchaus möglich, dass diese respektlosen Anklagen für verletzte Bedürfnisse stehen, die über „Angriffe“ auf den anderen ausgeglichen werden sollen. Zudem versteckt sich der Ankläger sicher auch hinter diesen Vorwürfen.

Die Respektlosigkeit besteht darin, mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen hinter dem Berg zu halten. Hier ist es hilfreich, genau über diese subjektiven Bedürfnisse zu sprechen und gemeinsam Lösungen zu suchen. Ist dies zu zweit nicht mehr möglich, besteht die Möglichkeit, im Rahmen einer Paarberatung gemeinsam hinter die „Streit-Kulisse“ zu blicken. Oftmals ist es hilfreich mittels einer „Timeline zur Paargeschichte“ die Thematik aufzuarbeiten.

Erfahrungsgemäß wird beiden Partner sehr schnell deutlich, was sie jeweils in ihrer Beziehung vermissen.

Beschimpfungen ein No Go in der Partnerschaft

Dass Beschimpfungen und Beleidigungen in der Partnerschaft ein absolutes No Go darstellen steht eigentlich außer Frage. Dennoch verliert der eine oder andere sich im Streit manchmal selbst und beleidigt den Partner verbal. Das kann durchaus einmal passieren, wenn dann Reue eintritt und eine angemessene Entschuldigung erfolgt, mag dies durchaus einmal zu vergessen und zu vergeben sein.

Stete Beleidigungen jedoch zerstören alles – die Liebe, die Intimität, das

Vertrauen und das Selbstwertgefühl des Partners. Beschimpfungen könne auch ein Ausdruck von Hilflosigkeit sein.

Es mag das einzige verfügbare Mittel des Partners zu sein, mit einer Situation umzugehen. Möglicherweise fühlt derjenige, der den Partner beschimpft, sich diesem unterlegen. Um diese zu überspielen wird zu Beschimpfungen gegriffen.

Die Respektlosigkeit besteht in der Unehrlichkeit über die eigenen empfundenen Unzulänglichkeiten. Und gerade hier sollten Sie ansetzen. Klären Sie, bestenfalls mit professioneller Unterstützung, warum Sie sich dem Partner unterlegen fühle, wofür Sie ihn wirklich bestrafen und was Sie tun können, um Ihre Hilflosigkeit im Miteinander zu überwinden.

Beschimpfungen in sich hineinfressen

Die passive Form des Umgangs mit Beschimpfungen führt nicht selten dazu, irgendwann zu explodieren und dem Versuch, den Partner mit einer verbalen Breitseite aus dem Weg zu räumen. Die Respektlosigkeit besteht im „ruhig bleiben“ in Konfliktsituationen, anstatt Farbe zu bekennen und klare Grenzen zu ziehen.

Letztendlich wird auch hier das Miteinander immer mehr zum Martyrium, das Selbstwertgefühl leidet und Konflikte können sicher nicht gelöst werden, die Beziehungskrise festigt sich eher als dass „Schweigen“ des Beschimpften sich positiv auf die Partnerschaft auswirkt.

Beginnen Sie ruhig und sachlich Grenzen zu setzen, Belastendes sofort angemessen anzusprechen.

Nicht gleich explodieren…

Wer ohnehin immer unter Strom steht, geht auch bei Kleinigkeiten in die Luft. Die Respektlosigkeit besteht darin, sich allgemein nicht ausreichend darum zu kümmern, in einem ausgeglichenen Gemütszustand zu sein.

Vielleicht bedarf es auch erst einmal ein Reflektieren der Situation, warum man gerade jetzt in die Luft geht und explodieren will. Ist die Ursache wirklich der Partner?

Interpretation des Partners

Eine der subtileren aber dennoch extrem verletzenden Arten der Respektlosigkeit ist es, Vermutungen über die Person und die Handlungsmotivation des Partners anzustellen. Dies äußert sich dann beispielsweise durch in den Mund geschobene Sätze, die so beginnen:

„Du meinst wahrscheinlich… “, „Du bist wie… “, „Ich glaube, dass Du… “

Natürlich enthalten solche Vergleiche und Hypothesen eine Grenzverschiebung zu Ungunsten des Partners. Statt dem Partner konkret eine Frage zu stellen und eine Erklärung des Gegenübers zu erhalten, wird er automatisch in die eigene Gedankenwelt eingeordnet. Schlimmstenfalls werden solche Thesen dann auch noch im Bekanntenkreis besprochen und der Partner dann noch für eben diese Spekulationen verurteilt.

Die Respektlosigkeit besteht darin, dem Partner die Freiheit zu nehmen, sich selbst zu erklären oder gegebenenfalls auch diese Erklärung zu unterlassen. Um den Teufelskreis aus Interpretation und Spekulation gemeinsam zu verlassen und die Würde des in der Regel mündigen Partners zu wahren gibt es nur einen Weg:

Sprechen Sie miteinander und akzeptieren Sie das was der Partner sagt.

Den Partner in Gesellschaft diskreditieren

Es zeigt keinen respektvollen Umgang, in Gesellschaft den Partner bewusst oder unbewusst in ein schlechtes Licht stellen, in dem bestimmte Eigenheiten und Verhaltensweise, vielleicht auch nur im Spaß, dargestellt werden. Sind Sie sich immer sicher, ob der Partner dies in den Situationen auch als Spaß auffasst, oder ob er sich dabei sehr unwohl fühlt und innerlich immer weiter auf Abwehr geht.

Respekt bedeutet hier, Achtsamkeit dem Partner gegenüber. Was ist der Situation angemessen, wie geht es dabei dem Partner oder bleiben diese Themen nicht besser zwischen den beiden Partnern zu Hause.

Unvollständige Kommunikation

Unvollendete Kommunikationen sind vermutlich die häufigste und am schwierigsten zu erkennenden Formen der Respektlosigkeit. Im Gespräch mit dem Partner werden Sätze nicht mehr vollendet, Erklärungen gar nicht oder nicht vollständig abgegeben. Der zuhörende Partner muss versuchen, aus dem Gehörten, eine für sich verständliche Information zu machen.

Was bleibt ist ein Gefühl von Verunsicherung und Wertlosigkeit.

Vielen von uns ist nicht bewusst, dass unvollständige Kommunikation auch als eine Verweigerung von Intimität gesehen werden kann. Es ist jedem von uns eigentlich klar, dass es nicht die Aufgabe des Empfängers sein kann, zu spekulieren was der Sender nun mitteilen wollte.

Miteinander Reden – ist das A und O

Die Kommunikation ist zwar das A und O einer gelungenen Partnerschaft, ist in der Realität jedoch die größte Herausforderung zwischen Mann und Frau….

Aus diesem Grund lernen Sie zu kommunizieren und den Partner wirklich zu verstehen wie er ist!

Mit diesem Partner gehen wir doch auch eine Liebesbeziehung ein. Lernen wir, wenigstens einem bestimmten geliebten Menschen, uns umfassend zu öffnen und zu zeigen wie wir wirklich sind.

Respektlosigkeit ist, bewusst oder unbewusst, leider noch immer ein probates Mittel, eine dysfunktionale Art von Hierarchie in einer Beziehung herzustellen und aufrechtzuerhalten.

Sie entzieht sukzessive dem Partner, den man eigentlich liebt und mit dem man doch das ganze Leben verbringen möchte, einen Wert, welcher ihm de facto zusteht.

Viele Partnerschaften gründen sich zumindest vordergründig auf das Ideal der Gleichwertigkeit der Partner. Wer eine respektvolle Beziehung zwar eingeht, aber auf Dauer nicht in der Lage ist, nach ihren Regeln zu leben, verlässt jedoch immer mehr diese gemeinsame Basis. Eine beständige Respektlosigkeit kann demzufolge also nur das schmerzhafte Ende der Beziehung bedeuten.

Wer dies als erleidender Teil rechtzeitig erkennt, sollte seinen Partner darauf hinweisen, falls er es nicht vorzieht, passiv das Ende der Partnerschaft abzuwarten.

Allerdings haben alle Formen der Respektlosigkeit vor allem eines gemeinsam, eine dysfunktionale, also unausgeglichene Kommunikation zwischen den beiden Partnern. Aber auch derjenige von Ihnen beiden, der versucht Macht auszuüben und dem Partner den verdienten Respekt entzieht, tut das sicher nicht ohne persönlichen Grund.

Diesen Grund herauszufinden, wenn nötig auch mit professioneller Unterstützung, ist sicher hilfreich, um wieder einen Weg zu finden, erneut wertschätzend, verständnisvoll und liebevoll miteinander umzugehen.

Wer von Ihnen beiden auch immer zuerst erkennt, dass der Respekt droht verloren zu gehen, sollte schnellstmöglich das Gespräch mit dem Partner suchen. Es gibt sicher noch so viel, was Sie beide verbindet – lassen Sie nicht zu, dass der respektlose Umgang miteinander Ihre Liebe zerstört.


© Paarberatung – Neumayr München