Beziehungsende: Jahrelang waren sie zusammen – doch dann soll plötzlich alles zu Ende sein?

So geht es zwischen uns nicht weiter, ich kann und mag nicht mehr, ich will weg…. Auch wenn nicht alles rund lief in der Vergangenheit und die romantische Liebe schon lange dem Alltag zum Opfer gefallen ist: Mit so einer spontanen Trennung rechnet kaum jemand, am allerwenigsten der verlassene Partner.

Gefühlt kommen solche Aussagen vom Partner aus heiterem Himmel und lösen sicher Hilflosigkeit, Wut und Schock und ähnliche Gefühle aus. Wenn aus “wir” wieder “ich” und “du” werden droht, ist dies für beide Partner eine sehr schmerzvolle Erfahrung. Zurück bleiben Tausend Fragen und ein Scherbenhaufen.

Dabei gibt es durchaus Warnzeichen, dass eine Beziehung ernsthaft zu bröckeln beginnt

Krisensituationen in der Beziehung beginnen fast immer schleichend und lange, bevor es zu gefühllosen teilweise respektlosen Streitereien, einem Seitensprung oder schlimmstenfalls zur endgültigen Trennung kommt. Zumeist sind es die kleinen Verletzungen, zu wenig Achtsamkeit, vergessene Termine und Absprachen, die der Grundstein für eine spätere Krise sind. Vermehrt tauchen zumindest bei einem von beiden Partnern Gedanken auf wie

  • „Warum rede ich überhaupt? Er/sie hört mir ja doch nicht zu!“
  • „Ich werde gar nicht wahrgenommen.“
  • „Ich bin ihm/ihr absolut gleichgültig.“

Die erste Verliebtheit ist vorüber, der Alltag kommt mit aller Macht und mit ihm die ersten kleinen und großen Auseinandersetzungen. Das ist normal und auch förderlich für die Beziehung, solange die Dispute respektvoll und lösungsorientiert geführt werden.

Was aber, wenn es plötzlich fast nur noch verletzende Streitigkeiten, belastende Situationen und eisiges Schweigen gibt?  Beziehungskrisen führen schneller als man denkt zur Trennung, obwohl die Krise selbst zumeist überwunden werden könnte.

Denn wenn beide Partner die Krisen richtig einordnen, destruktive Anzeichen erkennen und Wege aus eingefahrenen Verhaltensmustern finden können, kann eine Beziehungskrise durchaus der Beginn einer wahrlich erfüllten Beziehung in echter Harmonie sein.

Oftmals ist es der Mann, der die Partnerin von einer Minute auf die andere und ohne jede Vorwarnung verlassen möchte. Denn oftmals tun sich gerade die Männer schwer, mit den Reaktionen der Partnerin umzugehen, haben Angst vor den Tränen und Vorwürfen.

Zudem mag es auch daran liegen, dass manche Männer ungern Grundsatzdiskussionen in der Partnerschaft führen, über Schwächen und Misserfolge sprechen und Probleme vielleicht auch gerne mal leugnen. Zudem fürchten sie oft drohende endlose Gespräche und extreme emotionale Reaktionen.

Doch wenn die subjektive Unzufriedenheit nicht thematisiert wird, gibt es logischerweise kaum eine Chance, etwas zu verändern.

Allerdings gibt es natürlich auch Frauen, die plötzlich gehen. Im Gegensatz zu Männern, haben jedoch Frauen an diesem Punkt dem Partner bereits viele Warnungen gegeben, die vermutlich vom Partner nicht ernstgenommen worden sind.

Und dies oftmals nicht mal aus böser Absicht heraus, sondern einfach, weil ja gefühlt alles lief. Die plötzliche Trennung ist somit aus weiblicher Sicht daher das Ende einer langen Kette, die Resignation nach vielen verlorenen Schlachten. Frauen haben irgendwann genug, wenn trotz unzähliger Versuche nichts passiert.

Frauen versuchen in der Regel intensiver an der Partnerschaft zu arbeiten und diese immer wieder zu retten. Sie senden deutliche Signale, die der Partner häufig aber nicht versteht. Männer arbeiteten dagegen häufig zu wenig offensichtlich an der Beziehung, das gefährdet vermutlich irgendwann die Liebe ernsthaft.

Allerdings sollte jeder, der eine Beziehung eingeht, auch die Verantwortung übernehmen, Probleme offen ansprechen und dem Partner die Chance zur Veränderung geben.

Eine Trennung von heute auf morgen ist sicher belastend. Geht man von heute auf morgen ohne klare Vorwarnung, bricht man sicher die Gesetze der Fairness und verletzt elementare Grundregeln einer wertschätzenden und aufrichtigen Partnerschaft.

Gerade wenn man den Menschen einmal sehr geliebt hat, dann ist so ein Verhalten absolut destruktiv auch für das Selbstwertgefühl und das künftige Beziehungsleben des zukünftigen Expartners

Wer also mit realen Trennungsgedanken spielt, sollte den Partner frühzeitig darüber in Kenntnis setzen. Auch wenn es schwer ist sollten Sie versuchen, sich selbst zur Offenheit zu überwinden. Denn so bequem Vermeidungsstrategien im Leben auch erstmal sind, in der Liebe gelten andere Regeln, denn in einer Partnerschaft besteht die moralische Verpflichtung, einander stets mit Respekt und Offenheit zu begegnen.

Natürlich hat jeder Mensch von uns das Recht, eine Partnerschaft zu beenden, wenn die Liebe erloschen ist oder die subjektiven Belastungen dauerhaft überwiegen, doch sollte der Partner nicht einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

Schaffen Sie, vielleicht auch im Rahmen einer professionellen Beratung, Raum für offene Gespräche.

Sprechen Sie ehrlich und ruhig über Gefühle und Probleme, auch wenn es schwerfällt. Denn Paare, die rechtzeitig Bilanz ziehen, haben die Chance, etwas zu verändern. Nur so kann die Beziehung gerettet werden oder aber eine faire Trennung vollzogen werden, in der jeder von Ihnen seine Würde wahrt.

Ist jedoch der Schlussstrich Realität geworden, sollten Verlassene sich nicht scheuen, Unterstützung zu suchen. Gute Freunde, Familie oder auch ein Therapeut – es ist gerade jetzt wichtig, über die Ängste und Zweifel zu sprechen. Vor allem die Frage nach dem „Warum“ und wie kann es für mich weitergehen, quält.

Es muss nicht gleich das Beziehungsende oder der Schlussstrich sein

Allerdings ist es bei ernsten Trennungsgedanken vielleicht zunächst ratsam, statt radikaler Lösungen immer empfehlen, genau zu prüfen, welche Veränderung in Ihrer beider Leben eingetreten ist, die vielleicht mit den neuen Gefühlen einhergeht. Eigentlich gibt es dafür zumeist Beweggründe, die man mit diesen Fragen herausfinden kann:

Was änderte sich in der Familie, im Beruf? Sogar ein runder Geburtstag könnte dazu führen, sich voneinander zu entfremden. Häufig sind die Auslöser Situationen, die die Sinnfrage nach dem Leben stellen.

Auch könnte man, gemeinsam klären, warum und inwiefern sich die geänderten Umstände nun plötzlich nicht mehr mit der Beziehung zu vereinbar lassen.

Hat vielleicht einer der Partner Wünsche und Träume, die er sich erfüllen möchte und befürchtet, dies sei in der aktuellen Partnerschaft nicht möglich?

Oftmals wird in solchen Situationen der Partner einfach so um Schuldigen, denn er bremst vermeintlich aus ….

Viellicht auch weil er seine persönlichen Ziele hat und diese auch verfolgt. Scheint dies der Fall zu sein, könnten Sie sich als Paar komplett neu organisieren, einander neue Freiräume und Freiheiten für eigene Pläne und Ziele zu schaffen.

Vielleicht sind Sie auch an den Punkt gekommen, an dem Ihre Liebe die Unbeschwertheit verloren hat? An den Punkt, an dem Probleme den Alltag bestimmen und nicht mehr das wohlige Gefühl des Glücks und der Geborgenheit vorherrschend ist?

Dann kann es sein, dass irgendwann nahezu jedes Wort Zündstoff in sich birgt, jeder Satz Gefahrenpotential und jedes Schweigen die Explosivität einer Bombe. Und so zerreißt sie die müden Herzen beider Partner mal wieder in Stücke.

An dem Punkt, an dem die Leichtigkeit verloren gegangen ist, wird die Diskussion über die Zahnpastatube zum Brennpunkt. Denn es kommt nicht mehr auf den guten Grund an. Da genügt nur ein falscher Blick oder eine falsche Geste.

Wenn Sie erkennen, dass Sie genau an diesem Punkt angekommen sind, ist es sicher noch nicht zu spät für Ihre Beziehung. Denn solange noch ein Funken Liebe, der Respekt voreinander und der Wille für das Wir zu kämpfen da sind, ist alles möglich. Es ist allerdings wesentlich, Bewusstsein für die Situation zu schaffen und zu realisieren, dass Sie beide kurz vor dem großen Knall stehen könnten.

Allerdings kommen viele Paare an diesem Punkt nicht mehr gut allein zu zweit weiter und suchen sich externe Hilfe. Andere Paare jedoch ziehen ihre Kraft aus den vielen gemeinsamen Jahren und Erlebnissen, in denen die Leichtigkeit sie durchs Leben getragen hat.

Aber wofür Sie sich entscheiden, hören Sie nicht auf, an Ihre Liebe zueinander zu glauben. Denn eins ist klar: Keinem Paar gelingt es, ein Leben lang getragen von Leichtigkeit durch die Welt zu gehen.

Auch wenn Sie meist nur von wenigen Paaren wirklich um deren Probleme wissen und uns soziale Medien suggerieren, dass manche Beziehungen immerzu glücklich sind und niemals dunkle Wolken aufziehen.

Keine Beziehung verläuft reibungsfrei und das soll Sie auch nicht sein. Denn was gibt es Schöneres als miteinander zu wachsen und irgendwann in echter Harmonie miteinander zu leben.

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